Kinder und das Handy - Gefahr für die Entwicklung?

Kinder und das Handy - Gefahr für die Entwicklung?
Foto: Helene Souza / pixelio.de

Über Kindererziehung lässt sich bekanntermaßen besonders gut streiten. Doch bei kaum einem Thema scheiden sich die Geister so drastisch wie bei der Handynutzung durch Kinder. Hier reicht das Spektrum von der Forderung nach einem generellen Handyverbot bis zur Befürwortung durch sinnvollen Aufbau von Medienkompetenz. Untersuchungen haben ergeben, dass von einer Verdummung keinesfalls die Rede sein kann. Obgleich die Nutzung im Rahmen bleiben muss.

Unsere Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf. Auch das Handy ist allgegenwärtig. Doch wie sollte der Umgang damit geregelt sein? Wie beeinflusst das Handy die Entwicklung der Kinder? Doch nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Denn grundsätzlich geht von einem Handy selbst keine Gefahr für den Nachwuchs aus. Es ist eher die Kindererziehung selbst, die das Lernverhalten der Zöglinge beeinflusst. Wenn Eltern die Kids verantwortungsbewusst an die Thematik Smartphone heranführen, bekommen die Jungen und Mädchen sogar frühzeitig eine gewisse Medienkompetenz anerzogen. Wichtig für die Entwicklung im Kindesalter sind jedoch soziale Kontakte, diese können allerdings nicht vor einem Bildschirm gefunden werden.

Aufkommende Verdummung von Kindern

Verbandspräsident Thomas Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert ein generelles Handyverbot für Kinder unter 11 Jahren. Er begründet dies mit wachsender Konzentrationsschwäche durch permanente Reizüberflutung. Eine verstärkte Mediennutzung führte demnach zu Leistungsabfällen in der Schule, berichtet der BVKJ-Präsident in einem Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Laut Fischbach wäre es erschreckend, immer jüngere Kinder vor Handys, Smartphones und Tablets zu sehen.

Hinweis an Eltern

Natürlich sei es ein Leichtes, die Kids mit der digitalen Welt zu beschäftigen. Letztlich sei dies nicht gefährlich. Allerdings ist gute Kindererziehung darauf begründet, den Kleinen zu lehren, wie sie sich sinnvoll beschäftigen können. Während das Handy vermehrt zum Bestandteil jeder Kindheit werde, komme das klassische Spielen und physische Kontakte zu Gleichaltrigen zu kurz. Der Hirnforscher Gerhard Roth forscht diesbezüglich an der Universität Bremen, und meinte dazu in der "Hannoverschen Allgemeinen", dass es keinerlei Hinweise auf die Verdummung von Kindern gebe, wenn sie vermehrt mit digitalen Medien in Berührung kämen. Vielmehr sei sogar das Gegenteil der Fall.

Einigkeit unter Wissenschaftlern

Das Gehirn passt sich an die digitale Welt an, so heißt es in der Wissenschaft. Das sei weder positiv noch negativ zu bewerten. Es ist eben anders, als es in der Kinderzeit der Eltern gewesen ist. Probleme entstünden hier erst dann, wenn der Gebrauch von Handy und Co. tagtäglich im Übermaß erfolgt. Denn laut Gerald Hüther, Hirnforscher der Uni Göppingen, war ihm vor zehn Jahren schon klar, dass Kindererziehung die Erfahrung mit Gleichaltrigen unbedingt fördern sollte. Nur so könnten sich wichtige neuronale Schaltkreise im Gehirn aufbauen. Alles andere sei, so Hüther, gestohlene Körperlernzeit.

Eltern sollten die Kindererziehung also gründlich überdenken. Denn das Handy selbst ist nicht das Unheil im heimischen Kinderzimmer. Es liegt in der Verantwortung der Erwachsenen, Medienkompetenz frühzeitig zu fördern, aber auch einen Ausgleich zu den Zeiten vor Fernseher, Smartphone und Spielekonsolen zu schaffen.