Digital profitieren: Vorteile des Internets im Baugewerbe

Digital profitieren: Vorteile des Internets im Baugewerbe
Foto: Roland Riethmüller

Dass die Digitalisierung mit einem großen Spektrum an Chancen und möglichen Wettbewerbsvorteilen für Unternehmen jeder Größe und Branche kommt, dürfte hinlänglich bekannt sein. So ist auch der Bau davon nicht unlängst betroffen und verschiedenste technische Hilfsmittel, die das digitale Zeitalter mit sich brachte, werden eingesetzt, um Bauunternehmen zu assistieren.

Doch es muss nicht immer teure, hochprofessionelle Unternehmenssoftware sein, die im Beruf zum Einsatz kommt. Das Internet und digitale, mobile Endgeräte haben schon von Natur aus ein riesiges Potential, um einen positiven Einfluss auf Unternehmensprozesse zu haben. Die Voraussetzung ist jedoch, dass man sich aktiv und etwas kreativ damit auseinandersetzt, um dieses auszuschöpfen.
Mit etwas kluger Navigation und ein wenig Zeitaufwand kann ein großer Nutzen aus der Datenautobahn gezogen werden. Einige Anregungen, wie das in der Praxis aussehen könnte, enthält dieser Artikel.

Know-How und Ideenfindung

Jedes Unternehmen hat natürlich bestimmte Normen und angestammte Prozesse, aber unabhängig von der angewandten Bauweise gibt es immer Möglichkeiten zur Optimierung oder Vergrößerung des Portfolios. Der Blick über den Tellerrand fiel besonders in dieser Branche in der Vergangenheit schwer – auf Fachmessen, in Publikationen oder bei Fortbildungen konnte man mit etwas Glück neue Vorgehensweisen oder Standards kennenlernen. Doch zumeist waren die daraus erhaltenen Informationen auf Methoden beschränkt, die hierzulande ohne hin schon hinreichend bekannt waren, oder solche, die exotisch genug sind, dass sie zwar Aufmerksamkeit erregen, jedoch praktisch kaum umsetzbar sind.

Heute hat das Internet und die weltweite Vernetzung diese Grenzen eingerissen. Jegliche Informationen sind, häufig auch im Detail, sofort von überall aus abrufbar. Wer also gezielt nach neuen Fertigungsmethoden sucht, kann so stets auf dem Laufenden bleiben und ist nicht von Mittelmännern, die für ihre Veröffentlichungen bereits aus der Flut an Innovationen und Trends die für sie persönlich interessanten herausfiltern.

Ganz unvoreingenommen kann man sich auch bezüglich Bautechniken oder Geräten aus dem Ausland informieren und daraus gegebenenfalls das nötige Fachwissen ziehen, um beispielsweise neue Montagetechniken auch hier anzuwenden. Innovationen gibt es nämlich wie Sand am mehr, insbesondere in Zeiten von revolutionären Werkstoffen oder modernen Möglichkeiten wie dem 3D-Druck – das Problem ist, diese zeitnah zu erkennen und gegebenenfalls anzuwenden, um einen Wettbewerbsvorteil zu erhalten.

So ist etwa das Building Information Modeling (BIM) nicht nur durch Präsentationen der Potentiale im Internet als neuer Standard der Projektplanung verbreitet worden, es baut auch vollständig auf den digitalen Möglichkeiten zur Kommunikation auf.

Kostensenkung durch geschickte Recherche und Vergleich im Internet

Wer schon einmal eine umfassende Prüfung durch eine Unternehmensberatung hat durchführen lassen, kennt dieses Problem vielleicht. Die Betriebskosten sind, insbesondere im Mittelstand, häufig zu hoch und nicht verhältnismäßig. Doch sie spürbar zu senken geht mit einem Zeitaufwand, möglicherweise einmaligen Wechselkosten und möglichen Komplikationen einher – daher wird oft alles so laufen gelassen, wie es eben läuft, auch wenn es Optimierungsspielraum gäbe.

Vor allem in den Bereichen von Lieferanten für Rohmaterialien und Bereitstellern von Fahrzeugen und Maschinen, also Notwendigkeiten, die nicht selten auch unter Zeitdruck erhalten werden müssen, kommt es zu Mehrausgaben. Auf Vertragspartner, die seit längerer Zeit zu guten Konditionen und zuverlässig liefern, wird natürlich immer wieder gerne zurückgegriffen, was auch verständlich ist.

Doch die günstigsten Anbieter sind diese leider häufig nicht, möglicherweise auch nicht mehr, obwohl sie ursprünglich deswegen ausgewählt wurden. Die einfache Recherche durch die extreme Angebotsbreite und vergleichbare Preise, die das Internet an dieser Stelle bietet, kann mit einem vergleichbar geringen Zeitaufwand derartige Ausgaben deutlich minimieren.

Ein Preisvergleich pro Produkt oder Bestellung ist dadurch mit wesentlich Aufwand verbunden, so dass selbst im Einzelfall die günstigste Möglichkeit schneller gefunden ist. Zusätzlich gibt es noch weitere Chancen auf bessere Konditionen, da ein Fokus auf Kundengewinnung im E-Commerce zu einer Vielzahl an Aktionen führt. So gibt es beispielsweise zahlreiche Rabattaktionen, von denen man auch im Bereich Werkzeuge und Maschinen profitieren und sogar Bestpreise erzielen kann. Falls gewünscht, kann man so jeden Euro genauer abwägen. Auch ist das Finden und Kontaktieren neuer Zulieferfirmen deutlich erleichtert.

Wie auch im Einzelhandel für Endverbraucher sind große Lieferanten, die sich auf den Online-Vertriebskanal spezialisieren, ohnehin in der Lage, günstigere Preise durch kleine Margen anzubieten.

Social Media und Webpräsenz zur Vermarktung

Sowohl Handwerk als auch Baugewerbe sind in den letzten Jahren von einem äußerst starken Wettbewerb geprägt.

Ein grundsolides Bauunternehmen zu sein reicht häufig nicht mehr aus – es werden bestimmte und teilweise recht spezifische Anforderungen gestellt, um Kundenwünschen zu entsprechen.  Vor allem auch im privaten Wohnungsbau geht der Trend in Richtung teurere Bauten mit individuellen Wünschen wie Passivhaustechnik oder Smart Home Implementierungen von Bau an. Bei größeren Bauprojekten stehen beispielsweise Barrierefreiheit oder CO2-Bilanz immer mehr im Fokus.

Daher sind manche Bauunternehmen dazu angeraten, sich in derartigen Aspekten des Sektors zu spezialisieren, um den Anforderungen des modernen Marktes nachzukommen. Doch damit ist es noch nicht getan – die eigenen Stärken und bauliche Fähigkeiten, die diese individuellen Wünsche betreffen, müssen auch an potentielle Kunden vermittelt werden, um darüber Vorteile bei der Auftragslage zu erhalten.
Wer zum Beispiel sehr genaue Vorstellungen von einem Gebäude hat, informiert sich natürlich zuvor eingehend, welcher Partner bei der Realisierung am besten helfen könnte. Vor allem im spezialisierten Luxus-Segment oder für stark auf Individualität setzende Sektoren ist dies daher besonders wichtig – beispielsweise für Architekten. Hier kommt nun die Nutzung der digitalen Ebene zu Marketingzwecken ins Spiel. Der Schritt ist ganz einfach und besteht grundlegend aus zwei Elementen:

Online Werbung: Gezielt über GoogleAds oder Portalwerbung wie Facebook Anzeigen schalten, die dann nur bei ohnehin interessierten Zielgruppen angezeigt werden. Dies entspricht grundsätzlich der traditionellen Werbung in Printmedien, macht sich aber moderne Aspekte des Internets, allen voran die vorteilhafte Verwendung von Kunden- und Nutzerdaten zu Nutzen.

Online Präsenz: Die eigene Angebotsbreite und individuelle Stärken kann man auf einer eigenen Webseite, zusammen mit Kontaktinformationen, wunderbar präsentieren. So können interessierte Kunden sofort mehr spezifische Informationen finden und, falls die Angebote zu den individuellen Anforderungen passen, die Baufirma kontaktieren.

Besonders, was Zukunftssicherheit betrifft, sollten Unternehmen bereits heute nachbessern, auch wenn aktuell noch keine Notwendigkeit zum Schritt mit der Digitalisierung gesehen wird. Wie immer, wenn umfassende Neuerungen und Innovationen einen Umbruch andeuten, sollte man sich nicht von der Konkurrenz abhängen lassen, sondern im richtigen Maße auf die neuen Möglichkeiten eingehen, um frühzeitig auf der richtigen Seite zu stehen.

Digitale Hilfsmittel auf der Baustelle: Vernetztes Arbeiten

Dieser Aspekt ist eher grundlegend an die Ebene des Projekt-Managements und der innerbetrieblichen Kommunikation gerichtet. Eine Verwaltungssoftware, deren Informationen von Überall über das Internet erreichbar sind, kann für jeden Beteiligten ein Wunder sein, wenn es um die Koordination geht. Vor allem bei Unternehmen, die mehrere Baustellen mit größeren Anfahrtszeiten koordinieren, kann es viele teure Probleme und zeitaufwendige Fehler vermeiden, wenn jeder stets per Smartphone innerhalb Sekunden auf den aktuellsten Stand gebracht werden kann.

Grundsätzlich kann man sich fast sicher sein, dass die Angestellten im Bau ohnehin schon untereinander via WhatsApp oder ähnliche Nachrichtendienste kommunizieren. Diese Bereitschaft sollte man als Geschäftsführer erkennen und nutzen – die Kommunikation beispielsweise zentralisieren und eventuell mit weiteren Funktionen erweitern.

Beispielsweise kann ein spezialisiertes Warenwirtschaftssystem, das zur Verwaltung einer einzelnen Baustelle oder eines Projekts eingerichtet wird, eine perfekte Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf des gesamten Bauvorhabens sein.

Auch viele verschiedene Apps und Standardfunktionen digitaler Endgeräte haben den Alltag auf der Baustelle bereits tiefgreifend verändert und werden es in den nächsten Jahren weiterhin tun. Dokumentierung, Auftragsaktualisierungen, Kommunikation und sogar berufs- oder herstellerspezifische Apps mit wichtigen Informationen oder Lexika, die auf die Schnelle zur Recherche verwendet werden können, sind nur einige wenige Möglichkeiten.

Was die Zukunft der digitalen Bauhelfer bringen wird, ist noch ungewiss. Aber dass insbesondere Fahr- und Werkzeuge darin integriert werden, sollte im Hinblick auf die Entwicklung des „Internet of Things“, also die Verbreitung von Geräten und Gegenständen, in die ein System mit Internetzugriff eingebettet ist, klar sein.