Baugewerkschaft lehnt Abwerben von Azubis ab

News , 12.06.2019 , Frank Kessler Baugewerkschaft lehnt Abwerben von Azubis ab
Foto: Roland Riethmüller

Das Abwerben von Azubis mit einer Ablösesumme lehnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) entschieden ab und reagiert damit auf eine kürzlich geäußerte Forderung von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Ginge es nach seinem Vorschlag, dann sollte der neue Betrieb eine Ablösesumme für den abgeworbenen Auszubildenden bezahlen, um die Kosten für die Ausbildung teilweise zu decken. Das Modell der Bauwirtschaft sei besser geeignet, faire Verhältnisse zu schaffen.

Eine Ausbildung würde sich nur dann lohnen, wenn der junge Mensch nach der Lehre nicht von einem anderen Betrieb abgeworben werden würde. Aus diesem Grund brachte Wollseifer eine zu zahlende Ablösesumme ins Gespräch. Diese wird jedoch von der IG Bau entschieden abgelehnt. Denn es sei keine echte Lösung für das Problem. Im Gegenteil: Wenn man nach der Ausbildung den ehemaligen Lehrlinge tatsächlich für ein Arbeitsverhältnis gewinne möchte, dann müsse man sie gut, fair und ordentlich behandeln und ihnen Perspektiven aufzeigen. Man müsse ganz klar deutlich machen, dass das Handwerk nicht nur "der goldene Boden" für Chefs sei. So wollen sich viele jungen Menschen nach ihrer Ausbildung im Betrieb wohlfühlen. “Wer sich wohlfühlt, wechselt nicht. Sie wollen Perspektiven erkennen, die es ihnen eine Zukunft mit Familie ermöglichen", sagte IG Bau-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt. "Tarifverträge regeln genau das. Aber immer weniger Handwerks Chefs sind bereit, ihren Beschäftigten gute Tarif- und Arbeitsbedingungen einzuräumen. Ablösesummen für junge Talente versprechen hier keine Verbesserung”, so Burckhardt. “Nur wenn die Basis stimmt, klappt es auch mit dem Nachwuchs."

Ausbildungsumlage statt Ablösezahlung

Die IG Bau empfiehlt daher einen anderen Weg: Damit die Kosten für die Ausbildung gerechter verteilt werden, sollte man über eine Ausbildungsumlage nachdenken. Schon seit längerer Zeit hat sich dieses in der Bauwirtschaft bewährt. So regelt ein für alle Betriebe geltender Tarifvertrag diese Umlage. Die Ausbildungsbetriebe erhalten somit 17 der insgesamt 36 Monatsvergütungen für die Azubis erstattet. Abgewickelt wird dieses System über die Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-Bau). Dabei werden durch ständige innerbetriebliche Prüfungen die bundeseinheitlichen Quallitätsstandards eingehalten. Das System hat Erfolg, denn im Baubereich liegt die Zahl der Auszubildenden über dem Branchendurchschnitt. Aber auch die Bewerberzahl für einen Ausbildungsplatz ist mit drei Prozent deutlich gestiegen. Mit dieser Regelung soll der Vorschlag einer Ablösesumme für das Abwerben von ehemaligen Auszubildenden eigentlich vom Tisch sein.